Meine 8. Wochenschau

 

Linke Wagenburgler können richtig spießig sein

Die Wagenburgler organisieren sich selbst und wollen, dass das so bleibt. Sie haben eine Gemeinschaftsküche, eine Bühne sowie Räume für Konzerte und Kino. Flüchtlinge aufnehmen wollen sie nicht

Auch Linksradikale bestehen auf Grenzen und beschützen sie. Das Gelände der Wagenburg „Radikal Queerer Wagenplatz Kanal“ im Berliner Bezirk Neukölln ist umzäunt. Besucher müssen läuten. Eine freundliche junge Frau, die sich Amina nennt, öffnet die Pforte und heißt einen willkommen.

Eine Woche hat es gedauert, bis sich die Bewohner entschieden haben, ein Interview zu geben. Danach vergehen abermals einige Tage, ehe der Termin feststeht. „Das ist kein Zoo, hier leben Menschen“, sagt Amina.

 Exakt 20 Leute sind es – auf 8000 Quadratmetern. Zwischen Bäumen stehen Wohn- und Gemeinschaftswagen wie die Küche, eine Bühne sowie Räume für Musiker, Kino, Fahrradwerkstatt und Info-Veranstaltungen etwa zum Thema Integration oder Alltagsrassismus. Dafür zahlen sie Amina zufolge „monatlich 800 bis 1000 Euro plus Nebenkosten“ an das Land Berlin, dem das Gelände gehört.

Nun steht das Areal „Kiefholzstraße 74“ auf der Liste des Senats zusammen mit knapp 70 weiteren Flächen, auf denen Unterkünfte für Flüchtlinge entstehen sollen. Die 20 „Kanal“-Bewohner sollen 500 Asylbewerbern weichen oder zumindest enger zusammenrücken, sodass alle dort Platz haben. Aber sie wollen weder das eine noch das andere. Sie rebellieren gegen die Flüchtlingsunterkunft mit dem Ziel, den Platz so zu erhalten, wie er ist.

Die Wagenburgler fürchten staatliche Kontrolle

Auf der Website der Wagenburg heißt es in typischer Sprache der linksradikalen Szene, das Gelände sei „keine Freifläche“, sondern werde von „queeren, mehrheitlich geflüchteten Menschen, Migrant_innen, Schwarzen Menschen, PoC (People of Coulor – die Red.) und Rrom_nja (Sinti und Roma – die Red.) mit unterschiedlichen politischen und sozialen Hintergründen genutzt“.

Antrieb des Projekts sei „die politische Idee, eine Schnittstelle und einen Gestaltungsraum für verschiedene, von Rassismus betroffene und mehrfach diskriminierte Personengruppen zu schaffen und zu erhalten“.

Sarah, Aminas Mitstreiterin, betont mehrfach, dass die 20 Leute nur „die Living Group“ auf dem Gelände darstellten. Die Wagenburg sei „ein wichtiger kultureller und politischer Ort“, der von zahlreichen integrationsfördernden Organisationen unterstützt und genutzt werde. Aber warum wollen sie nicht mit 500 Flüchtlingen zusammenleben?

Auf dem Gelände befindet sich auch eine Fahrradwerkstatt

Foto: Thomas Schmoll Auf dem Gelände befindet sich auch eine Fahrradwerkstatt

„Das ist nicht die Frage“, sagt Sarah, die wie Amina „aus Sicherheitsgründen“ weder ihren richtigen Namen noch ihr Alter oder ihre Herkunft verraten will. „Nahost“, sagt sie lediglich. Amina, die schwarz ist, gibt „Deutschland“ als Geburtsort an. Entscheidend sei, dass „der selbst organisierte Charakter des Platzes verloren gehen würde.“

Mit anderen Worten: Die Wagenburgler fürchten staatliche Kontrolle, wenn sie das Areal mit 500 Flüchtlingen teilen müssten. Dass der Staat ihnen das Projekt dank günstiger Miete und großer Geduld überhaupt erst ermöglicht, ignorieren sie scheinbar. Es ist nicht der einzige Widerspruch, mit dem die Leute vom „Kanal“ gut klarkommen.

„Wir sind links, aber keine linken Extremisten und lehnen Gewalt ab“, sagt Sarah. Hinter ihr hängt ein Plakat zu einem Demo-Aufruf, auf dem ein Vermummter einen Blumenstrauß wirft, aus dem – stilisiert – schwarzer Rauch aufsteigt. Gemeint ist ein Molotowcocktail. Sie bittet mehrfach darum, ausreden zu dürfen, fällt aber Amina selbst permanent ins Wort.

Verweis auf leer stehende Gebäude in Berlin

Das Gelände ist eigentlich als Industriegebiet ausgewiesen. Der Vermieter spricht von „Duldung“. Der Vertrag lief Ende 2013 aus. Das Anschlussabkommen wollen die Bewohner nicht unterzeichnen – bis heute nicht. Als Grund nennen sie eine „rassistische Klausel“, die ihnen die Aufnahme von Flüchtlingen verbiete.

„Wir werden nicht Leute rassifizieren.“ Und von Duldung könne nicht die Rede sein, wie ihr rechtlicher Beistand erklärt habe. „Bis jetzt bezahlen wir regelmäßig und brav die Miete“, meint Sarah.

Fragt man die zwei Frauen nach Alternativen für die 500 Flüchtlinge, verweisen sie auf den tatsächlich hohen Leerstand in Berlin. Es gibt Gebäude in der Stadt, die mitunter jahrelang ungenutzt und teilweise Spekulationsobjekte sind. Ein Blick auf Leerstandsmelder.de genüge, das ganze Ausmaß zu zeigen, sagt Amina. Doch auf die Wohnungen werde nicht zurückgegriffen, „weil Flüchtlinge keinen Profit bringen“.

So gut wie alle Gebäude bei Leerstandsmelder.de sind in privater Hand. Also enteignen? „Wir haben eine ganz andere Vorstellung vom Leben“, erklärt Sarah. Wozu auch „Selbstverwaltung“ gehöre. Und tatsächlich schlagen sie vor, die Wohnungen „in Selbstverwaltung“ zu verteilen.

„Wir lehnen die staatlich organisierte Massenverwaltung ab und setzen uns dafür ein, uns gemeinsam selbst verwaltete Räume schaffen zu können.“ Wie soll das funktionieren, ohne dass Flüchtlinge Deutsch sprechen? „Die können Englisch“, antwortet Sarah. „Menschen in Lager zu stecken nimmt ihnen die Würde. Wir wollen keine Gettos.“

Die Neuköllner Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey hat Verständnis für die Position der Wagenburgler, kann aber derlei Gerede nicht mehr hören. „Den Begriff Lager zu verwenden, finde ich unerhört, wenn man sich vor Augen führt, wie Flüchtlingslager in anderen Teilen der Welt aussehen oder wenn man gar die deutsche Geschichte betrachtet. Es sollen in der Kiefholzstraße kein Lager und kein Getto entstehen, sondern Wohnhäuser.“

Allerdings hätten die Leute vom „Kanal“ ein Recht darauf zu wissen, wie es für sie weitergehe. „Wir können nicht einfach sagen, dass es uns nicht interessiert, was aus ihnen wird.“

Die 20 Bewohner beklagen, nicht vorab informiert worden zu sein, sondern aus den Medien erfahren zu haben, dass ein Flüchtlingsheim auf ihrem Gelände gebaut werden soll. „Keine Kommunikation, keine Transparenz“, meint Sarah. Das Sich-übergangen-Fühlen kennt man auch aus Heidenau und Clausnitz.

Es gibt Wohn- und Gemeinschaftswagen

Foto: Thomas Schmoll Es gibt Wohn- und Gemeinschaftswagen

Gerrit Kringel, der Vorsitzende der CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln, hält die Argumentation für verlogen. „Flüchtlinge willkommen heißen und ihnen den roten Teppich auskehren, aber protestieren, wenn es vor der eigenen Haustür geschieht, ist mehr als bedenklich.“ Im Übrigen sei der Verein „bisher nicht ansatzweise durch soziale Tätigkeit aufgefallen“. Daraus folge: „Entweder sie gehen freiwillig, oder sie werden geräumt.“

„Wir werden uns nicht an die Wagen ketten, aber für unsere Idee kämpfen“, sagt Amina. Thomas Licher, der Fraktionschef der Linken, die wie die Piraten und die Grünen die Wagenburgler unterstützen, glaubt, dass die SPD-CDU-Landesregierung „die Chance“ nutzen wolle, „unliebsame Bewohner zu vertreiben. Da werden zwei Gruppen, die nicht im Zentrum der Gesellschaft stehen, gegeneinander ausgespielt.“

„Wenn es so wäre, würde es sowieso nicht funktionieren. Die Leute sind ja dann nicht einfach weg“, sagt Giffey. Die Sozialdemokratin will jede Eskalation vermeiden: „Das Gelände einfach zu räumen geht nicht.“ Aufseiten des Senats sei genügend Sensibilität vorhanden. Ein Kompromiss müsse her. „Das Problem ist, dass Neukölln mit seiner dichten Besiedlung und Bebauung keine Alternativfläche zu bieten hat. Das Land sollte eine Lösung finden.“ Sprich: den Menschen vom „Kanal“ ein anderes Areal anbieten, irgendwo in der Stadt.

Bisher bewegen sich die „Kanal“-Bewohner kein Stück

Dass Giffey sich durchsetzen kann, hat sie im Gerangel um den Zirkus „Mondeo“ bewiesen, dessen Gelände ebenfalls auf der Senatsliste geplanter Flüchtlingsunterkünfte stand. Die Einrichtung, die vor allem Kinder aus bildungsfernen und sozial schwachen Familien anspricht, ist in der Vergangenheit als „integrationspolitisches Leuchtturmprojekt Neuköllns“ gefeiert worden. Giffey lehnte es ab, den Zirkus zu verlegen.

„Die andere Seite muss sich bewegen“, sagt die Sozialdemokratin und fordert konstruktive Gegenvorschläge von der Wagenburg, die sich vor wenigen Monaten „Schwarzer Kanal“ nannte. „Doppelmoral hilft hier nicht. Für eine gute Flüchtlingsunterbringung einzutreten, heißt auch, klar zu sagen, wo das geschehen soll. Alle wollen die Unterkünfte in den Tempelhofer Hangars und in den Turnhallen beenden, aber für jede Alternative finden sich immer Leute, die dagegen sind“, meint die Bürgermeisterin.

Die Wagenburgler könnten doch „wenigstens einmal darüber nachdenken, wie ein Kompromiss auf einem 8000 Quadratmeter großen landeseigenen Grundstück, das von 20 Personen bewohnt wird, gelingen kann.“

Doch bisher bewegen sich die „Kanal“-Bewohner kein Stück: Entweder alles oder nichts, lautet ihre Devise. Amina meint: „Die Idee unseres Projekts wäre dahin. Auf 3000 Quadratmetern würde das alles nicht mehr funktionieren. Wir wollen nicht unter uns bleiben, weil wir Bock darauf haben, sondern weil wir einen Raum brauchen ohne täglichen Rassismus und Sexismus.“

Steffen Burger, der Fraktionschef der Piraten, stimmt ihr zu: „Gerade queere und transsexuelle Geflüchtete sind in Massenunterkünften oft massiven Übergriffen und Anfeindungen ausgesetzt.“ Als Kompromiss schlägt er den „möglichst weitgehenden“ Erhalt des Wagenplatzes durch „gezielte Unterbringung queerer Geflüchteter auf dem Gelände in geringerem Umfang“ vor.

Giffey: „Pauschal zu sagen, dass alle anderen Flüchtlinge eine Gefahr für queere Menschen darstellen, finde ich auch nicht richtig. Aber vielleicht lässt sich ja eine Unterkunft für besonders schutzbedürftige Personen realisieren.“

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Meine 7. Wochenschau

Nach Anschlägen in Lahore Pakistan steht vor einer Zerreißprobe

In Lahore sprengt sich ein ehemaliger Koranlehrer in die Luft und reißt 72 Menschen, darunter 35 Kinder, mit in den Tod. Seit den Anschlägen auf eine Schule im Dezember 2014 kämpft Pakistan gegen den Terrorismus, der sich gegen die Christen im Land richtet.

VON 
 
Der Selbstmordattentäter hat sich mit zynischem Kalkül platziert – am Haupteingang, nur wenige Meter entfernt von einem Spielplatz mit bunten Schaukeln und Karussells. Es ist früher Abend und Lahores populärer Gulshan-e-Iqbal-Park voller Familien, viele davon Christen, die den Ostersonntag mit einem Picknick feiern. Doch in Sekunden verwandeln die 20 Kilogramm Sprengstoff die fröhliche Szenerie in ein grausiges Schlachtfeld. Augenzeugen berichten von Blutlachen, von abgerissenen Armen, Beinen und Köpfen. Mindestens 72 Menschen sterben, darunter 35 Kinder. 233 Menschen werden verletzt.

Einer der schlimmsten Anschläge seit langem hat an Ostern Pakistans zweitgrößte Stadt Lahore erschüttert, die als Hochburg der christlichen Minderheit gilt. Als Täter wird der 28-jährige muslimische Religionslehrer Muhammad Yousaf Farid aus dem Süd-Punjab verdächtigt, dessen Ausweis man am Ort fand. Die Talibangruppe Jamaat-ul-Ahrar, eine besonders skrupellose Fraktion der pakistanischen Taliban, bekannte sich zu dem Blutbad. „Wir haben das Attentat begangen, weil Christen unser Ziel sind“, sagte der Sprecher Ehsanullah Ehsan der Nachrichtenagentur AFP. Man plane weitere Anschläge auch auf Schulen.

„Ich sah meine Eltern, meine Schwestern und Verwandten sterben“

Am Ostermontag war das Land vor Entsetzen wie gelähmt. Ganze Familien wurden ausgelöscht. Der 27-jährige Muhammad Zubair wollte gerade Karten für die Schaukeln kaufen, als die Bombe hochgeht. Er war mit seiner zwölfköpfigen Familie im Park, nur drei überlebten. „Ich sah meine Eltern, meine Schwestern und Verwandten sterben. Alle mit einem Schlag tot“, erzählt er unter Schock der pakistanischen Zeitung Dawn.

Die Regierung rief eine dreitägige Trauerzeit aus. Premierminister Nawaz Sharif schwor, man werde erst ruhen, wenn der Terrorismus besiegt sei. „Wir werden den Kampf vor die Türen der Terroristen tragen. So Gott will, werden wir sie ausradieren.“ Das Militär nahm noch am Montag eine Reihe von Verdächtigen fest. Zugleich wurde in Pakistan Kritik an der mangelnden Sicherheit laut. Die Regierung hätte wissen müssen, dass Pakistans 2,5 Millionen Christen an Ostern besonders gefährdet seien und den Schutz erhöhen müssen. Bereits im März 2015 wurden 17 Christen bei einem Doppelanschlag auf zwei Kirchen in Lahore getötet. In 2013 starben in Peschawar über 100 Gläubige bei einer Attacke auf eine Kirche.

Wegen Blasphemie zum Tode verurteilt

Es dürfte nicht die letzte Terrorattacke sein: In Pakistan tobt ein blutiger Kampf um die Zukunft der 190 Millionen Einwohner zählenden Atommacht. Seitdem im Dezember 2014 bei einem Angriff auf eine Schule in Peschawar über 136 Kinder starben, führt das Militär einen aggressiven Feldzug gegen die Taliban in den Grenzprovinzen. Der Konflikt weitet sich aus, seit am 29. Februar diesen Jahres der Attentäter Mumtaz Qadri hingerichtet wurde.

Qadris Hinrichtung sehen viele als Zeitenwende, als Signal, das Pakistans Führung nicht länger vor den religiösen Hardlinern im Volk kuschen, sondern die Machtprobe wagen will. Der Polizist Qadri hatte Anfang 2011 den liberalen Gouverneur Salman Taseer mit 28 Schüssen ermordet, weil dieser Pakistans mittelalterliches Blasphemiegesetz kritisiert und sich für die wegen Blasphemie zum Tode verurteilte Christin Asia Bibi eingesetzt hatte.

Randalen in Islamabad

Dies könnte das Land in eine Zerreissprobe stürzen: Selbst bei seinem Begräbnis wurde Quadri noch wie ein Held gefeiert. Tausende Menschen gaben ihm das letzte Geleit. Die Unruhen dauern an. Am Sonntag kam es in Islamabad zu Straßenschlachten zwischen Soldaten und Qadri-Anhängern. Auch am Montag protestierten in Islamabads „Roter Zone“, in der Parlament und Regierung liegen, Tausende Muslime. Sie fordern, Qadri zum „Märtyrer“ zu erklären und alle wegen Blasphemie verurteilten Häftlinge zu hängen. Dies würde auch Asia Bibi treffen.

Nach dem furchtbaren Anschlag in Lahore kamen aus aller Welt Beileidsbekundungen. Der Vatikan verurteilte den Angriff als Ausdruck „fanatischer Gewalt gegen die christliche Minderheit“. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einem „entsetzlichen Akt des Terrorismus“ und forderte Pakistan auf, die Minderheiten besser zu schützen. Auch die US-Regierung und das Auswärtige Amtin Berlin verurteilten den Anschlag. „Ich bin am Boden zerstört durch das sinnlose Töten unschuldiger Menschen in Lahore“, sprach die 18-jährige Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai in einem Tweet wohl vielen aus der Seele.

 
  •  Islamische Republik
    • Pakistan seit 1956 [erste] Islamische Republik zeigt – wie in einem Fokus – das wahre Gesicht von praktiziertem islamischem Fundamentalglauben.
    • Es ist eine verlockender Irrtum anzunehmen, mit dem Kampf gegen IS-Terroristen könnten wir den kriegerischen Islam beherrschen.
    • Dieser glaubens-gesteuerte Krieg findet weltweit statt.
      • von pinke
      • 28.03.2016 22:50 Uhr

      Antwort auf ideologophob vom 28.03.2016 16:36 Uhr

      Hysterie-

      der Glaube ist nur die Chimäre als wohlfeile Erklärung für die Ungerechtigkeit dieser Welt- und deren Verantwortliche sitzen woanders. Netsle, Monsato, um mal zwei kleine Beispiele vorzugeben.

  • Die Terroranschläge

    der letzten 15 Jahre hatten praktisch alle dieselbe Motivation, auch die von Paris und Brüssel: Islamistischer Krieg gegen Ungläubige.

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Dieser 21-Jährige schlitzte einem Taxifahrer die Kehle auf

Landgericht, Saal 606. Der junge Mann auf der Anklagebank heißt Khaled Al G. (21). Geboren in Kuweit. Staatsangehörigkeit Syrer. Reist September 2014 aus dem Libanon in Deutschland ein, der Asylantrag wird rechtskräftig abgelehnt.

Er versucht es danach in Schweden und Norwegen, auch Skandinavien lehnt seine Asylanträge ab. Kommt Oktober 2015 illegal zurück nach Deutschland. Wird im Bundesland Brandenburg untergebracht. Zieht illegal weiter nach Berlin, in die „Straße der Araber“ (Neuköllner Sonnenallee). Arbeitet illegal als Bäcker. Schickt 100 Euro im Monat an Geschwister in die alte Heimat. Freundet sich mit einen Marokkaner (26) an, der italienisch spricht, sich als Brasilianer ausgibt – und mit ihm bewaffnete Raubüberfälle begeht.

Sie folgten einem Mann am Alex und überfielen ihn

Der 12. Dezember 2015, Alexanderplatz in Mitte. Dr. Bernd H. (74) kommt 0.45 Uhr von der S-Bahn, läuft zum Hackeschen Markt, wo er wohnt. Ein großer Mann mit weißen Haaren, edlem Mantel, schwarzem Hut und einem schweren Diplomatenkoffer.

„Wir sind dem alten Herrn vom Alex aus gefolgt“, sagt der Angeklagte, „folgten ihm in den Hauseingang. Ich würgte ihn von hinten, ein Messer in der Hand. Mein Kumpel hielt ihm sein Messer vor den Bauch.“ Beute: 10 Euro und ein iPhone5. Der Angeklagte, enttäuscht: „In dem Koffer waren nur Papiere.“

Sie lotsten den Taxifahrer nach Neukölln

Nächste Nacht, wieder treiben sie sich am Alexanderplatz herum. Der Angeklagte: „Mein Kumpel sagte, Samstagnacht haben Taxifahrer immer sehr viel Geld dabei, lass uns ein Taxi nehmen.“ Es ist 3.30 Uhr. Sie geben sich als Berlin-Gäste aus. Lotsen den Fahrer (35) in eine dunkle Ecke in Neukölln. Statt die vereinbarten 35 Euro Fahrpreis zu bezahlen, reißt der Angeklagte die Fahrertür auf, Messer in der Hand. Ein Stich in den Hals unterhalb vom Kehlkopf, zwei Zentimeter tief.

Der Taxifahrer musste notoperiert werden

Der Taxifahrer taumelt aus dem Auto. Die Räuber fliehen mit dem Taxi, stellen es später an einer Britzer Tankstelle ab. Beute: ein LG-Mobiltelefon. Der Angeklagte: „Ich hatte nicht erwartet, dass das Messer so scharf ist.“ Der Taxifahrer als Zeuge im Prozess: „Ich hatte Todesangst, meine Frau war schwanger!“ Passanten rufen die Feuerwehr. Der Taxifahrer hat Blut in die Lunge eingeatmet, Notoperation, zwei Tage Koma.

Der Angeklagte sagt: „Ich wollte ihm nur Angst machen, er lief weg, sein Kleingeld fiel runter, ich ließ es liegen.“

Der Angeklagte suchte Gottes Vergebung

Der 26. Dezember, 2. Weihnachtsfeiertag in Deutschland. Khaled Al G. geht zu Neuköllner Al-Nur-Moschee. „Ich bin nicht religiös“, sagt er, „ich habe nur gebetet, damit Gott mir vergibt.“

Dann geht er zum nächsten Polizeirevier: „Nehmen Sie mich fest“, sagt er auf arabisch. Ihn habe das Gewissen geplagt. In der Bäckerei sei er ein paar Tage vor den Überfällen rausgeflogen, weil sein Kumpel ihn zum Kiffen verleitet habe: „Kein Geld, keine Zigaretten, kein Job. Ich hatte vier Tage nichts gegessen, weil mein Bruder Abdallah eine Schultasche brauchte.“

Er erlebte den Überfall wie im Traum

Wodka und sieben Flaschen Bier will er getrunken haben vor der letzten Tat – für Haschisch und Alkohol hatte sein Geld angeblich noch gereicht. „Ich habe alles wie im Traum erlebt“, sagt er, „ich fühle mich schuldig.“ Weil ihm mindestens fünf Jahre Haft drohen (bewaffneter Raubüberfall, räuberischer Angriff auf einen Kraftfahrer), ist seine Abschiebung aus Deutschland ausgesetzt – Ziel erreicht. Urteil am 4. April. Seinem Kumpel aus Marokko ist abgetaucht und wird mit Haftbefehl gesucht.

 

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http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/taliban-uebernehmen-verantwortung-fuer-massaker-an-christen-14147731.html

Bombe beim Osterfest gezündetTaliban bekennen sich zu Massaker an Christen

Im pakistanischen Lahore hat es nach einer Explosion zahlreiche Opfer gegeben. Der Täter sprengte sich auf einem Spielplatz inmitten zahlreicher Frauen und Kinder in die Luft. Ziel des Anschlags seien Christen gewesen.

27.03.2016

Bei einem Selbstmordanschlag in einem Park der nordpakistanischen Millionenstadt Lahore sind mindestens 65 Menschen getötet und mehr als 280 verletzt worden. Die meisten Opfer waren Frauen und Kinder, teilten die Behörden am Sonntag mit. Der Attentäter zündete seine Bombe in der Nähe eines Spielplatzes. Der Park war einem ranghohen Behördenvertreter zufolge voll mit christlichen Familien, die Ostern gefeiert hatten. Die Rettungsarbeiten dauerten an, hieß es.

Der Taliban-Ableger Jamaat-ul-Ahrar erklärte kurz nach der Tat, Ziel des Anschlags seien Christen gewesen. An Ministerpräsident Nawaz Sharif gehe die Botschaft, dass man in Lahore Fuß gefasst habe. „Er kann machen was er will, aber er wird uns nicht stoppen können. Unsere Selbstmord-Attentäter werden solche Anschläge wiederholen.“

Pakistan leidet seit langem unter Extremisten der Taliban, kriminellen Banden und Spannungen zwischen unterschiedlichen Religionsströmungen. In Punjab, der politischen Hochburg von Sharif, ist es üblicherweise aber friedlicher als in anderen Teilen des Landes. Im überwiegend muslimischen Pakistan kommt es immer wieder zu Angriffen von Extremisten auf Christen und andere religiöse Minderheiten.

Ein Vertreter des Jinnah-Krankenhauses sagte der Nachrichtenagentur AFP, mehr als 40 Tote seien in das Krankenhaus gebracht worden. Zahlreiche Verletzte befänden sich in einem ernsten Zustand. Er rechne daher damit, dass die Zahl der Todesopfer noch steigen werde. Der Mediziner schilderte, dass in dem Krankenhaus wegen der hohen Verletztenzahl die Menschen sogar in den Fluren und auf dem Fußboden behandelt werden mussten.

Der 35-jährige Javed Ali sagte, die Explosion habe in seinem Wohnhaus gegenüber des Parks die Fensterscheiben zerstört- „Alles wackelte, es gab Schreie und Staub überall.“ Der Park sei überfüllt gewesen, weil sich dort wegen des Osterfestes viele Christen versammelt hätten. Die Regionalregierung von Punjab ordnete nach dem Anschlag die Schließung aller öffentlichen Parks an.

Meine 6. Wochenschau

Diese Schau fällt wieder – hinsichtlich eigener Schreiberei – etwas knapp aus, weil ich beruflich auf Reisen bin: Bangkok, Cebu, Can Tho (- bitte selbst raten, wo das ist), nun Manila. Am Abend im Hotel reicht das nach dem Skypen mit der Liebsten gerade noch zu einem Streifzug durchs Internet.

An sich wollte ich die ärmliche „selbstkritische“ Rede des Herrn ZEIT Chef-Redakteur GdL abmeiern, aber mehr als kurze Empörung, Kopfschütteln und ein kurzer „So nicht!“- Kommentar im Tagesspiegel-Online kamen da nicht zusammen.

Was mich weit mehr amüsierte, und zwar weitgehend zustimmend, wobei ich an meine Zeit in einem Forschungsinstitut und dort an eine feministisch sehr engagierte Mitarbeiterin dachte, an deren „wissenschaftlichen“ Arbeit ich verzweifelte, habe ich in einem Blog gefunden. Der Autor heisst Hadmut Danisch, sein Blogtitel „Ansichten eines Informatikers“. Bevor es losgeht, muss ich noch sagen, warum ich schier verweifelte: Im Unterschied zu den beschriebenen Genderprofessorinnen hatte die Mitarbeiterin ein solches Los nicht gezogen, sondern arbeitete in einem Drittmittelprojekt, dass ich fachlich verantworten musste. Das ist lange her, und das Ganze ist auch verjährt; die Mittel können nicht mehr zurück gefordert werden.

Der übernommene Text ist erschieden am 02.03.2016.

Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Buchkritik: “Pionierarbeit” von Ulla Bock

Ein Buch zum Thema „Die ersten Professorinnen für Frauen- und Geschlechterforschung an deutschsprachigen Hochschulen 1984-2014”Campus-Verlag

Anmerkung: Ich fand das Thema zwar nicht generell, aber im Rahmen meiner Durchleuchtung des Korruptionssumpfes interessant, aber den Preis von 29 Euro zu hoch. Ich habe daher beim Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar erhalten. Sowas führt unweigerlich zu einem positiven „Bias” zugunsten des Verlages und des Buches, das der Leser von meiner Rezension einfach wieder abziehen möge.

Der Grund meines Interesses war ja, wie ich im Blog schon öfters angesprochen habe, den Zeitraum vor der Ernennung Susanne Baers zur Professorin auf Korruption zu durchleuchten. Deshalb hatte jener Untertitel mein Interesse erweckt. Denn wenn man an den Universitäten nachfragt, mauern sie immer und geben keinerlei Informationen heraus. Gender Studies werden oft wie eine Geheimloge geführt. Das ist Mafia, und sie benehmen sich wie Mafia.

Ich habe in den letzten Jahren mehr feministische Bücher gelesen als die meisten Feministinnen. Mehrere Regalböden voll, und noch etliche digitale dazu. Und ich muss generell sagen, dass ich diesen Feminismus- und Genderschwachsinn nicht mehr ertrage. Die produzieren Unmengen an nutzlosem Material, irgendwo zwischen strohdumm und völlig inhaltslos. Da steckt keinerlei Denk- oder Wissenschaftsvorgang dahinter, die schwafeln einfach endlos drauflos, und produzieren eigentlich nur eins: Bedrucktes Papier. Es findet wirklich nur auf dieser Ebene statt, es geht nicht um Geist, Inhalt, Argumente, Wissenschaft. Es geht darum, das beobachtete (aber nicht verstandene) Wissenschaftlergehabe zu imitieren. Der Begriff der Cargo-Cult-Wissenschaft beschreibt das exakt.

Auch dieses Buch unterscheidet sich nicht nennenswert davon. Man muss es nicht lesen, und wenn man es tut, hat man nichts (oder jedenfalls nicht viel) davon. Es sei denn, man geht mit meinem Blickwinkel heran und sucht nach Dummheit und Korruption. Da findet man was. Bemerkenswerterweise aber finden sich darin auch Anmerkungen, die diesen meinen Eindruck vorgetäuschten wissenschaftlichen Gehabes nicht nur bestätigen, sondern auch motivieren. Denn es wird erwähnt, dass Gender-Studies-Professorinnen bis vor ein paar Jahren, namentlich so lange es die C-Professuren gab, einfach unbeobachtet tun und lassen konnten, was sie wollten. Die hatten einfach das große Los gezogen: Unkündbar auf Steuerzahlerkosten bis zum Lebensende durchfinanziert, keine Aufgaben, keine Pflichten, beliebig um deren Privatangelegenheiten kümmern.

Irgendwann hat sich das geändert und Professoren mussten formale Leistungen abliefern und mindestens 100.000 Euro pro Jahr einwerben. Und die Mittelvergabe läuft eben oft darüber, wer wo wieviel publiziert hat. Also publizieren sie jetzt. Einfach irgendwas. Das hat nicht mehr Geist, als wenn sie einem Papier und Farbe getrennt liefern würden. Kostet aber mehr.

Deshalb hat auch dieses Buch meinen Eindruck wieder bestätigt und verstärkt, dass Gender Studies, Frauenforschung und der ganze Hokus Pokus nichts anderes sind, es um nichts anderes geht, als sich am Futtertrog der Hochschulen sattzufressen ohne jemals irgendwas gelernt oder gearbeitet zu haben. Und das dann (vgl. Fall Susanne Baer) gelegentlich auch zur illegalen Parteienfinanzierung zu missbrauchen. Der ganze Hochschulbereich (vgl. was ich unter Forschungsmafia.de über die DFG geschrieben habe) ist zu einem wesentlichen Teil nichts anderes als die große kriminelle Geldwaschanlage korrupter Politik: Oben schmeißt man Steuergelder rein, und unten wird damit bezahlt, was aus Steuergeldern nicht bezahlt werden darf.

Ein zentraler, der meines erachtens größte Kritikpunkt an diesem Buch ist, was nicht darin steht. Keine einzige wissenschaftliche Leistung. Das Buch dreht sich über 250 dröge, monotone, strukturarme, hirnerweichend langweilige und deshalb nur mühsam zu lesende Seiten darum, wer wann wie und mit welchem Glück Professorin geworden und vom wem gefördert wurde oder auch nicht. Man lernt, dass viele der Gender-Professorinnen eigentlich nichts wissen, nichts können, nicht für die Uni taugen, aber einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren und der politische Frauenförderdruck die Anforderungen einfach auf Null gefahren hat.

Deshalb haben wir über 200 Gender-Professuren, die im Ergebnis einfach gar nichts produzieren. Nutzloser, zweckloser Balast, von der Politik erzwungen. Schlimmer noch: Wenn sie wenigstens die Klappe und sich fern halten würden, ginge das ja noch, aber sie sind ein nie versiegender Quell von Streit, Zwietracht, Korruption. Leute, die rundherum eine negative Bilanz haben.

Wobei ich mir durchaus überlegt habe, ob man da nicht den Fehler begeht, dem Boten die Nachricht anzulasten. Wenn jemand über Feminismus schreibt und darin kein Nutzen, keine Leistung vorkommt, liegt es dann am Schreiber oder am Beschriebenen? Ich kam zu dem Ergebnis, dass beides nichts taugt.

Ich habe dem Buch nicht mal entnehmen können, was die da eigentlich vorhatte. Das ganze Buch dreht sich nur darum, irgendwelche älteren, aus der Anfangszeit stammenden Gender-Studies-Professorinnen zu interviewen, wie’s denn so war. Und das dann aufzuschreiben. Man plaudert, schreibt einfach mit, und das ist dann deren „Forschung”.

Ich habe mich früher immer gewundert, warum Feministinnen fast kein anderes Begründungs- und Argumentationsmittel haben als zu verweisen, dass irgendwer anderes etwas gesagt oder geschrieben hat. In hunderten von Büchern wird die Annahme, dass die Frau nicht biologisch, sondern sozial erzeugt ist, allein damit begründet, dass Simone de Beauvoir das gesagt habe. Irgendein X hat das gesagt, also ist es wahr.

Anfangs dachte ich, die wollen einen verarschen. Oder sind zu faul. Oder hörig. Nein. Die haben einfach nicht mehr in der Birne. Die glauben ja alle (Poststrukturalismus), dass es eine Realität oder Empirie eigentlich nicht gibt, und der Sprechakt die Realität schafft, man also Realität durch Sprachverbote und Sprachänderungen verändern könnte. Deshalb glauben sie, wenn „definitionsmächtige” Autoritäten wie de Beauvoir oder Butler das gesagt haben, dann ist das so, und würde immer mehr so, wenn sie den Sprechakt wiederholen, es nachplappern.

Bevor ich mich intensiv mit Feminismus und Gender Studies befasst habe, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass sich Männer und Frauen intellektuell wesentlich unterscheiden würden, nur in Interessen. Je mehr ich von diesem feministischen Zeug lese, desto mehr steigt in mir der Verdacht hoch, dass es da doch bei manchen erhebliche Unterschiede im Gehirn geben muss. Das wirkt auf mich oft, als sei denen der Teil des Gehirns, in dem Wissenschaft stattfindet, einfach nie gewachsen. Die reden von Wissenschaft wie der Blinde von der Farbe. Ich habe bei deren Beschimpfungsorgien bezüglich der männerzentrischen Wissenschaft den Eindruck, dass die gar nicht erst kapieren, worum es da eigentlich geht, und sich das dann – Prinzip Aberglaube – also irgendein Hexenwerk oder Verschwörerkram erklären. Deshalb auch dieses praktisch immer sinnlose Nachäffen des Wissenschaftsbetriebs. Cargo Cult. Die glauben, das ist alles nur so ein Sozialumfeld, in das man jeden durch Gewöhnung integrieren kann. Vermutlich ist darauf auch dieses ständige Pöbelei und dieses Beschimpfen zurückzuführen. Die verstehen einfach nicht, warum man manches als Wissenschaft, anderes als Unfug ansieht. Die erkennen den Unterschied nicht.

Und deshalb belassen sie es dabei, sich gegenseitig zu interviewen. Ich hab ja vor Jahre mal den Rappel bekommen, als ich gesehen habe, dass Feministinnen in Informatikpromovieren können, indem sie einfach zu einem alten Informatiker der Gründer-Generation fahren, bisschen mit dem plaudern, den ein bisschen erzählen lassen, das mitschreibe und als Dissertation einreichen. Cargo Cult. Einfach irgendwas aufschreiben und abgeben. Funktioniert. Frauenquotendruck hat die Anforderungen auf Dumm Zero reduziert.

Das Schema habe ich an diesem Buch wiedererkannt. Man fährt rum, interviewt die Leute, schreibt mit – fertig ist das Buch.

Und weil das natürlich dann in alle Bibliotheken gestellt wird, brummt das Geschäft. Lesen muss das niemand.

Seite 18: Was sind Genderprofessuren?

Professorinnen und Professoren verfügen über Definitions- und Entscheidungsmacht. Ihre Position ermöglicht es ihnen, Inhalte in Forschung und Lehre mitzubestimmen und die Hochschule entscheidend mitzugestalten. In diesem Sinne schreibt die Soziologin Sigrid Metz-Göckel:

Professorin zu sein heißt für mich, Macht als Ermöglichung zu begreifen, Leitungserfahrungen zu reflektieren, vor allem aber Macht zu haben, die Hochschule mitzugestalten.

Genau das beobachte ich immer: Die halten die Professur für Macht und Freiheit, und sonst nichts. Die glauben, das wäre eine Ermächtigung, forthin einfach zu tun und zu lassen, was man will, und Wissenschaft bedeute, dass Professoren irgendwas definieren, wie sie gerade Lust haben.

Nicht nur Gender Studies, viele Geistes- und Sozialwissenschaften funktionieren so. Das ist nichts als Machtmissbrauch, Korruption, Willkür, unkündbar und lebenslang durchbezahlt.

Seite 20: So ist es keineswegs garantiert, dass die Inhaber/innen einer expliziten Genderprofessur schwerpunktmäßig auch tatsächlich Frauen- und Geschlechterforschung betreiben. […] Es kommt auch vor, dass eine Genderprofessur lediglich als Sprungbrett für eine prestigeträchtigere Professur genutzt wird.

Könnte man auch Anstellungsbetrug nennen. Denn Genderprofessuren werden – rechtswidrig, aber tatsächlich – praktisch nur an Frauen vergeben. Wenn diese als Umweg zu normalen Professuren genutzt werden, ist das natürlich eine Umgehung der normalen Ausschreibung und damit eine Reservierung von Professuren für Frauen.

Anscheinend auch sind Genderprofessuren an den Universitäten sowas sie Aussätzige.

Seite 21: Des Weitere geht es um die Einbettung der Genderprofessuren in den Einzelwissenschaften und es wird gegen Prozesse der Marginalisierung und Ghettoisierung der Professur im Fach und in der Fachgemeinschaft Position bezogen. Die Gefahr, dass Genderprofessuren an den Rand der Fachdisziplinen gedrängt werden, wird auch von denjenigen Genderprofessorinnen gesehen, die diesen Begriff selbstbewusst auf ihre Professur beziehen.

Sie machen und können nichts, aber beschweren sich über Marginalisierung.

Sie schotten sich ab und beschränken ihre Tätigkeit darauf, alle zu beschimpfen, und beschweren sich über Ghettoisierung.

Seite 22: Der darin erhaltene Vorwurf des Partikularen, Unwissenschaftlichen und Politischen, der der Frauen- und Geschlechterforschung heute noch zuweilen gemacht wird und damit auch die Professoren für dieses Wissenschaftsfeld diskreditiert, hat »bei ganz vielen Kolleginnen zu Konversion, zu Absetzbewegungen geführt, weil sie das nicht ertragen haben«, schreibt Gudrun Axeli-Knapp.

Wäre es nicht naheliegend, dem Vorwurf einfach durch Wissenschaftlichkeit zu begegnen? Wenn man welche hätte?

Heißt auf deutsch: Gender Studies sind unerträglicher Blödsinn. Wird aber von vielen Frauen genutzt, weil man auf diesem Weg schnell und einfach in die Professur kommt und von dort dann leichter weiter. Ein riesiges Umgehungsprogramm für die Ausschreibungen nach Art. 33 II GG.

Vor ein paar Tagen beschwerte sich ein Soziologe bei mir darüber, dass ich Feminismus so oft der Soziologie zuordne. Dazu Seite 33:

Die Sozialwissenschaften werde immer wieder als die Referenzdisziplin der Frauen und Geschlechterforschung genannt (Hark). Insbesondere die Soziologie kann im Zusammenhang mit der Etablierung und Institutionalisierung der Frauen- und Geschlechterforschung in den Hochschulen zu Recht vorrangig genannt werden, weil in diesem Fach bis heute die meisten Professuren mit einer Denomination für Frauen- und Geschlechterforschung eingerichtet wurden.

Nicht nur das. Die Soziologie ist zu einem Misthaufen geworden, in dem jegliche Qualitätsanforderungen weggefallen sind, die völlige Politisierung als normal angesehen, wissenschaftliche Grundregeln über Bord geworfen und beliebiges Geschwätz zum Standard gemacht wurden. Wenn Feminismus der Schimmelpilz ist, dann ist die Soziologie der Nährboden dafür.

Seite 38: In den Zeiten des Aufbruchs und des Umbruchs in den 1960er und 1970er Jahren entwickelten sich die Hochschulen zu Orten der Politisierung. »Geschlecht« wurde zu einem Politikum.

Stimmt. Und deshalb hat es an der Universität nichts zu suchen. Denn da geht’s eigentlich um Wisssenschaft, und nicht um Politik. Nur hat sich da eben ein Politsumpf festgesaugt, der nichts kennt außer politischem Geschwätz. Insbesondere keine Wissenschaft.

Sie beschreibt auch, dass es ursprünglich um Frauenforschung ging, der Begriff aber bald verbrannt und schlecht angesehen, außerdem als unwissenschaftlich eingestuft wurde, und man das aus rein taktischen Gründen in „Gender” umbenannt hat, inhaltlich aber natürlich weiter „Frauenforschung” betrieben hat.

Seite 126: Einige Kolleginnen sind davon überzeugt, dass sie nur über die Frauenforschungsprofessuren, die es seit den 1980er-Jahren gibt, den Weg in eine Hochschule gefunden haben.

Davon bin ich auch überzeugt. Da sind viele unterwegs, die auf normalem Wege niemals an Abschlüsse und eine Professur gekommen wären. Aber in Gender Studies kann jeder Depp Professor werden – hauptsache weiblich. Manchmal merken sie es sogar selbst:

Seite 159: Die Rechtswissenschaftlerin Konstanze Plett ist der Ansicht, dass sie aufgrund der mangelnden Stringenz ihrer akademischen Laufbahn keine Chance gehabt hätte, auf eine »klassische« Professur in den Rechtswissenschaft berufen zu werden.

Es geht nicht um die Benachteiligung von Frauen. Es geht um die Hintertür zu den Futtertrögen für die, die die Vordertür nicht schaffen.

Und manchmal wundert man sich, wie blauäugig die schwere Korruption beschreiben, ohne es richtig zu merken. So wurde beschrieben, dass man in der Frühzeit Rita Süßmuth viel zu verdanken hatte. Dazu auf Seite 123:

Wie Ilona Ostner hatte auch Carol Hagemann-White hintereinander zwei verschiedene Professuren an unterschiedlichen Hochschulen inne. Ihre zweite Professur für »Allgemeine Pädagogik und Frauenforschung« an der Universität Osnabrück, die sie 1988 bekam, war ursprünglich für die Erziehungswissenschaftlerin Rita Süßmutzh geschaffen worden. Nicht nur Carol Hagemann-White empörte sich damals darüber, dass das Ausschreibungs- und Besetzungsverfahren für diese Professur kein offener Prozess war. Es ging ihr darum, mitbestimmen zu können, was »Frauenforschung« in der Bundesrepublik sein kann und sollte, sie wollte Definitionsmacht gewinnen. Rita Süßmuth trat die Professur nicht an, sie wurde 1988 zur Präsidentin des Deutschen Bundestags gewählt. Damit war die Bewerbungssituation um die Professur wieder offen.

Bei der zweiten war es eine Frage der Definitionsmacht in der Bundesrepublik. Da war die Stelle für Rita Süßmuth geschaffen worden. Es stand auch in der Ausschreibung. Wir haben uns quer durch die Bundesrepublik empört, dass da stand: »Es wird darauf hingewiesen, dass eine geeignete Bewerberin schon vorhanden ist«.

Empörung? Nur Empörung? Warum war da nicht die Staatsanwaltschaft da? Das ist Ämterpatronage, strafbare Untreue. Korruption in Reinkultur.

Wie Süßmuth da wohl Bundestagspräsidentin wurde?

Seite 151: Für Karin Flaake und Helga Grubitzsch war die Unabhängigkeit bei der inhaltlichen Gestaltung der Lehrangebote besonders wichtig.

Ja, auf jeden Fall, klar. Gestaltungs- und Definitionsmacht […] hatten wir bei der Ausgestaltung der Lehre, bei Prüfungen. […} Ich hatte immer das Gefühl, ich kann viel bewegen, alleine dadurch, dass ich den Studentinnen ermöglichen kann, über ihre geschlechtsbezogenen Themen zu arbeiten, das in den Prüfungen zum Thema zu machen.

Unglaublich. Korrupt und extrem inkompetent. Machen, was sie gerade wollen. Die haben sich nie auch nur ansatzweise damit beschäftigt, was sie da eigentlich tun und was ihre Pflichten sind. Prüfungsrechtlich sind solche Prüfungen nichtig, müssten von Amts wegen wieder kassiert werden. Denn die Freiheit von Forschung und Lehre betrifft – wie der Name schon sagt – Forschung und Lehre. Nicht Prüfung. Prüfungen sind hoheitliche Akte und Grundrechtseingriffe, und als solche nur auf gesetzliche Grundlage möglich. Die Prüfungsanforderungen hat der Gesetzgeber festzulegen, nicht der Professor. (Rechtsprechung Bundesverfassungs- und Bundesverwaltungsgericht) Womit wir übrigens wieder bei der Verfassungsrichterin Baer und meiner Verfassungsbeschwerde rauskommen, denn Baer hat das auch nicht kapiert (oder will es nicht kapieren, weil es ihrer feministischen Titelmühle in die Quere käme). Baer ist die dafür zuständige Verfassungsrichterin.

Professorinnen haben die Möglichkeit, sich in eine Leitungsposition innerhalb der Hochschule wählen zu lassen und aus dieser Position heraus die institutionelle Verankerung von Frauen- und Geschlechterforschung in den Hochschulen voranzutreiben.

Gröblichst verfassungwidrig. Denn nur der Gesetzgeber kann die Anforderungen an Leistungsnachweise festlegen, und die sind wegen der Berufsfreiheit an das gebunden, was zum Schutz der Öffentlichkeit erforderlich ist.

Dass da einzelne Professorinnen ihre Macht missbrauchen, um da eine politische Agenda in die Hochschulen zu drücken, ist nicht nur grob verfassungswidrig, es ist eine Art Putsch von unten zugunsten einer totalitären Sekte.

Seite 155: Ich glaube, es wurde wertgeschätzt, dass ich viel geschrieben und viel herausgegeben habe. Ich war eine aktive Wissenschaftlerin, das wurde geschätzt. (Gudrun Axeli Knapp)

Geht nicht drum, was man schreibt. Inhalt egal. Hauptsache viel. So sieht’s dann auch aus.

Glaubt Ihr nicht?

Seite 156: Ebenso deutlich formuliert die Soziologin Dagmar Schultz die vorherrschende Gleichgültigkeit gegenüber den Arbeiten von Kolleginnen und Kollegen. In der Alice Salomon Hochschule Berlin, wo sie tätig war, fühlte sie sich weitgehend angenommen, fügt aber hinzu:

[…]möglicherweise aus Mangel an Interesse. Es hat niemand groß wissen wollen, was ich da mache. (Dagmar Schultz)

Hatten wir das nicht neulich schon vor dem Verwaltungsgericht Berlin? Als ich frage, was die Gender-Professorin Susanne Baer da eigentlich 10 Jahre lang gemacht haben will, weil man nichts davon findet, und die Humboldt-Universität einräumte, sie wisse das auch nicht, sie hätten nie hingeguckt?

In der Gesamtschau bestätigt dieses Buch in vielen einzelnen Fragmenten mein Bild von den Gender Studies und ihren Professorinnen:

Inkompetente und wissenschaftsunbefähigte Leute, die niemals auf normalem Wege die regulären Anforderungen an eine Professor erfüllen könnten (und dafür schlichtweg zu doof oder zu ideologisch sind), kommen über das Konstrukt der Gender Studies, der Frauenquoten, der reservierten Stellen und der völligen Anforderungslosigkeit in die Professuren.

Dann teilen sie sich in zwei Gruppen auf.

Den einen ist das dumme Geschwätz zu peinlich. Sie streiten den Gender-Quatsch aus ihrer Professur und freuen sich, dass sie über den Umweg an einen Professur gekommen sind, die der regulären Ausschreibung entzogen wurde (und damit illegal ist).

Die anderen bleiben in den Gender Studies, können nichts, machen nichts, täuschen Publikationen nur quantitativ vor, kommen damit aber durch, weil eh niemand hinguckt und niemand wissen will, was die da treiben.

Und weil sie so wirklich gar kein Ahnung von Recht und Verfassung haben (nicht mal dann, wenn sie Verfassungsrichterin sind), setzen sie sich auch darüber hinweg, machen was sie wollen, drücken Politik rein und verstoßen damit auch gleich gegen die Freiheit von Forschung und Lehre.

So sehen Korruption, Wissenschafts- und Staatsversagen aus.“

Buchkritik: “Pionierarbeit” von Ulla Bock

 

Ein Sozialwissenschaftler würde möglicherweise weniger harsch formulieren wie der Informatiker, aber seine Empörung hat doch auch was.

Respekt!!! (Auch für den Umfang.)